Tierelend in Spanien
Viele Urlauber sehen nur die sonnige Seite Mallorcas. Wenigen Touristen ist bekannt, dass es auf der Insel herrenlose Tiere gibt.
Schuld ist häufig eine spanische Sitte, dass die Gäste den Kindern einer Familie, die sie besuchen, Hundewelpen schenken. Diese Tiere sind häufig nicht erwünscht und werden somit schnell lästig. Sobald die Hunde größer werden, setzen einige Besitzer die Tiere einfach aus.
Nicht selten werden auch kranke oder alte Hunde ausgesetzt, um die Tierarztkosten zu sparen. Die Wirtschaftskrise, die Spanien mit einer Arbeitslosenrate von 20 % getroffen hat, hat dieses Problem noch erheblich verschärft.
Eingefangen werden die streunenden Tiere meist in einem verwahrlosten Zustand von der örtlichen Policia Local. Die Polizei liefert die Hunde sowie auch Katzen in Tierauffanglagern oder Tierheimen ab, auf Mallorca sind es die sogenannten “Perreras” (abgeleitet von perro, was auf Spanisch ‘Hund’ bedeutet).
In fast jeder Gemeinde befindet sich mittlerweile ein solches Tierheim. In den Perreras können die Tiere in der Regel 21 Tage bleiben (so lange kommt der spanische Steuerzahler für deren Unterbringung auf). Durch diese Frist soll es den Eigentümern ermöglicht werden, ihre Tiere wieder abzuholen. Fast überall werden die Hunde und Katzen, die nicht abgeholt wurden, nach Ablauf dieser Frist eingeschläfert. Die Perreras verfügen nicht über genügend Mittel, um die Tiere zu füttern oder die Tierarztkosten zu bezahlen. So verlieren jährlich viele Hunde und Katzen ihr Leben.
In den letzten Jahrzehnten setzten sich immer mehr Tierschützer in Spanien für diese Tiere ein. Sie suchen neue Herrchen und Frauchen für die Hunde und Katzen, damit sie nicht getötet werden müssen. Im Internet werden Fotos und der Leidensweg der Tiere veröffentlicht.
Viele Tiere haben auf diesem Weg bereits ein neues Zuhause gefunden und fühlen sich bei ihren neuen Herrchen wohl. Die Tiere sind dankbar für die Pflege und Liebe, die ihnen entgegen gebracht wird. Freiwillige Helfer kommen in die Perreras und päppeln die Tiere wieder auf. Gepflegte und gut aussehende Hunde finden schneller ein neues Zuhause, sodass manch ein Hund (oder eine Katze) aber auch für eine längere Zeit im Tierheim bleiben muss.
Jeder, der auf der Suche nach einem Gefährten ist, sollte sich die Internetseiten der Perreras (oder auch der örtlichen Tierheime) einmal ansehen. Vielleicht findet er dort den Hund, den er schon lange sucht. Für die Tiere aus Spanien müssen nur die geleisteten Tierarztkosten sowie der Flug nach Deutschland gezahlt werden. Für einen Betrag von 300 bis 400 Euro bekommt der neue Besitzer häufig auch Rassehunde. Die Perreras verdienen dadurch kein Geld, es werden nur die entstandenen Kosten ersetzt. Da es leider aber auch ein paar schwarze Schafe gibt, sollte man sich vorher über den Ruf der Einrichtung informieren.
Wenn Sie sich für die Arbeit der Perreras interessieren, können Sie hier ein Interview mit einer Mitarbeiterin einer Perrera auf Mallorca anhören.
Aussender:
Ingolf Kreuzer
ingolf.kreuzer@gmx.de
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